Wearables – die Minicomputer am Körper

Smartwatches und intelligente Armbänder zur Ermittlung von Fitness- und Schlafdaten gehören wohl zu den bekanntesten und verbreitetsten Wearables. Doch diese sogenannten Activity Tracker können noch viel mehr:

  • eingehende Anrufe und Nachrichten anzeigen,
  • persönliche Musik-Playlist abrufen,
  • News anzeigen,
  • Steuerung des Smartphones und, und und…

Die kleinen und oft unscheinbaren Geräte nehmen zwar (noch) keine zentrale Rolle in unserem Alltagsleben ein, gehören aber irgendwie schon zum Digital Lifestyle. Man denke an den Hype als die Apple Watch eingeführt wurde.

Wearable Tech sind nicht nur smarte Fitness-Tracker und Aktivitäts-Monitoring

Doch Wearable Tech sind nicht nur Computeruhren und Fitnessarmbänder. Es geht auch um Bekleidung, Accessoires und Brillen, die oft ursprünglich für die Raumfahrt, die Pilotenausbildung oder sogar für Menschen mit Behinderung konzipiert wurden.

Besonders faszinierend finde ich intelligente Kleidungsstücke. Textilien mit integrierter Elektronik – Smart Clothing werden sie genannt. Sie erfassen biometrische Daten des Trägers und werten sie aus. Via integrierte Bluetooth-Sendeeinheit werden die Daten in Echtzeit an das Smartphone geleitet. Vorreiter dieser Technologie sind etwa Anbieter wie OMsignal mit smarten Shorts und Shirts oder die Sportler-Kleidung von Athos. Diese analysieren nebst Leistung auch Bewegungsabläufe und Trainingstand. Auch der Modehersteller Ralph Lauren stattete am US Open 2014 die Balljungen mit dem „The Polo Tech Shirt“ aus. Eingenähte Sensoren und Leitfäden messen dort den Puls, Atmung und Stresslevel. Mit dem Fitness-Tracking-T-Shirt, das auf den ersten Blick wie ein konventionelles Kleidungsstück aussieht, stieg also auch schon die Modebranche in den Wearable Markt ein.
Die Google.Glass gilt wohl als bekannteste Vertreterin aus dem Bereich Datenbrillen. Ihre Zukunft ist noch ungewiss, jedoch drängen schon weitere Computerbrillen auf den Markt und behaupten sich erfolgreich. Nebst Funktion wird auch Design in der smarten Lifestyle Wearable Welt immer wichtiger. Viele Wearables sind auch „in schön“ – stilvoll, luxuriös und modebewusst – erhältlich, getarnt als Schmuck. Eine angenehme Entwicklung, wie ich finde.

Wearables erobern Gesundheitsbereich

Die Wearables kommen langsam auch im Gesundheitswesen an und entwickeln sich vom komfortablen Gadget hin zu durchdachten und hochentwickelten Anwendungen mit ernstzunehmendem Nutzen.

So gibt es heute schon am Körper zu tragende Sensoren, Armbänder oder Edelsteine als Brosche oder Wickelarmband, welche vor Sonnenbrand und UV-Belastung warnen und sogar den Bedarf an Vitamin D berechnen. Oder Produkte, die bei Kleinkindern messen, wie weit sie sich am Strand von den Eltern entfernen und dann ggfs Alarm schlagen. Schlafrhythmus, Herzfrequenz, Hauttemperatur, Bewegung und Liegeposition von Babys erfasst, gibt ein Gefühl von Sicherheit und nimmt Eltern die Angst vor plötzlichem Kindstod. In Amerika soll Ende 2015 ein Wearable zur Linderung von chronischen Schmerzen auf den Markt kommen. Quell“ soll 24 Stunden 7 Tage die Woche getragen werden. Das ist zur Zeit das einzige Schmerzlinderungs-Wearable, dass während dem Schlafen benutzt werden darf, also dafür von der FDA zugelassen wurde.

Wearables als Lebensretter

Die Wearable-Technologie lässt sich sogar für (über)lebenswichtige Dinge einsetzen. DexCom kann Diabetikern das Leben erleichtern. Es misst kontinuierlich den Blutzuckerspiegel und liefert in Echtzeit wichtige Informationen über Richtung und Geschwindigkeit des Zuckerspiegels. Das ist essentiell, um eine drohende Hypoglykämie rechtzeitig zu erkennen. Es gibt so viele bestaunenswerte Entwicklungen. Weiter geht’s mit Embrace, die Uhr für Menschen mit Epilepsie. Sie misst die elektrische Aktivität der Haut und kann Betroffene vor einem sich ankündigenden epileptischen Anfall warnen.

Unicef will die Technologien der Wearables in die Entwicklungshilfe bringen.

Zusammen mit dem Software Designer ARM und dem Strategie-Unternehmen frog wurde das Projekt «Wearables for Good» gestartet. Ziel ist die Konzeption Technik für Menschen in armen Ländern. Unicef stellt sich darunter Geräte vor, die nicht etwa Luxusfunktionen und Unterhaltung liefern, sondern wirkliche Hilfestellung bringen oder sogar Leben retten können. Zum Beispiel könnten sie vor Bränden warnen, Gesundheitsprobleme identifizieren helfen, zu Verhaltensänderungen wie regelmäßigem Händewaschen ermutigen oder den Verlauf von Schwangerschaften überwachen, wie Erica Kochi von Unicef Innovation erklärt. Sie könnten in entlegenen Gegenden mit schlechter medizinischer Versorgung oder Flüchtlingslagern eingesetzt werden.

Smarte Zukunft

Die Bestrebungen und das Interesse in Medizin, Psychologie und Entwicklungshilfe an den Wearables wachsen ständig. Die Zukunft der tragbaren Computer liegt wohl im Gesundheitsmarkt und verspricht grosses Potenzial.

„Ich frage mich: Wo führt der Weg der Wearables noch hin?“

Es ist denkbar, dass die Minicomputer künftig nicht mehr nur wie bisher als Schmuckstück am Arm getragen werden, sondern dass wir sie unter der Haut oder als Elektro-Tattoo tragen. So will ein französisches Start-Up-Unternehmen mit dem Cicret Bracelet den Wearable-Markt revolutionieren: einem neuen, wasserdichten Armband, das den Unterarm des Trägers kurzerhand zum Handy- respektive Tablet-Display umfunktionieren soll – inklusive Touchscreen-Funktionalität. Den Entwicklern zufolge könnte ihre Erfindung sogar Google Glass in den Schatten stellen. Ein erster Prototyp kostet jedoch 700’000 Euro! Wir sind gespannt auf weitere Entwicklungen…aber mit ein bisschen Respekt dürfen wir solche Ideen wohl auch betrachten.

Lifestyle-Daten und Privatsphäre

Das Thema Risiken und Nebenwirkungen der Wearables – also Datenschutz – möchte ich hier gern aussen vor lassen. Denn wo persönliche Daten gesammelt und überliefert werden, bleibt auch immer die berechtigte Frage: was passiert mit meinen Daten? Wo werden sie gespeichert, wer kann alles darauf zugreifen und was wird mit ihnen gemacht. Dies muss allen Nutzern von Wearables bewusst sein. Das Thema würde den Rahmen dieses Blogpost sprengen. Klar ist: der Branche steht noch ein ganzes Stück Arbeit bevor.

 


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